Entstehung einer Tasche

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in Bild und Text

  1. Inspiration
2. Musterentwurf
3. Kalkulation
4. Strickprobe
5. Stricken
6. Filzen
7. Formen
8. Papierschnitte erstellen
9. Futter, Vlies und Leder zuschneiden
10. Reißverschlüsse anfertigen
11. Lochen des Leders
12. Leder stanzen
13. Reißverschlussöffnung schneiden
14. Kleben
15. Reißverschlüsse einnähen
16. Metallfüßchen einarbeiten
17. Vlies aufbügeln
18. Vlies einnähen
19. Logo einarbeiten
20. Futter nähen
21. Gurte und Griffe annähen

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23. Futter einnähen
24. Lederteile einarbeiten
25. Produktkontrolle

26. Fotografieren mit Model

27. Namensfindung
28. Internetseite erstellen

1 Inspiration:

Ausgang des Projektes war mein Wunsch nach einer Tasche aus meiner neuen ungefärbten Naturwolle. Diese hatte ich bereits "gehaspelt"(von Strängen zu Knäulen gewickelt mit Hilfe einer Haspel und einem Wollewickler).

Hier hat mich ein Pullover, den ich als junger Teenager nach einer Wandertour durch Norwegen mit den Pfadfindern gestrickt habe, inspiriert. Die Wolle hatte ich damals in Bergen am Hafen erstanden, die noch unverstrickte Wolle diente mir beim Zelten als weiches, warmes Kopfkisssen unterm Schlafsack.

Inspiration kann aber auch eine Landschaft, eine Pflanze, der Schal einer Straßenbahnmitfahrerin, ein Fliesenmuster, eine neu entdeckte Stricktechnik, ein neuer Taschenname ..... sein.

2 Mustererstellung:

Das Herznorwegermotiv, welches ich für meinen Pullover von einer Abbildung abgezählt und verändert hatte, habe ich hier in ein Positiv-Negativmuster verwandelt. Für die

3 Strickfilzprobe:

habe ich dazu ein einfaches traditionelles "Drahdi"Muster aus verschränkt-verzopften Maschen und ein "baltisches Flechtband" kombiniert.

Die dreidimensionale Strickprobe zeigt mir die Kalkulationsgrundlage an: Wieviele Maschen auf wieviele Reihen ergeben 10cm x 10cm? Wie verhält sich die Bordüre zum Flächenmuster, müssen noch Ausgleichsmaschen kalkuliert werden?

4a Stricken:

je nach Dicke der Nadeln und Muster kann sich die Strickzeit leicht bei gleicher Endgröße der Tasche vervierfachen. Hier eine recht hohe Strickzeit: diese Wolle stricke ich mit Nadelstärke sechs. Vor dem Filzen je nach Muster kurz unter Zuhilfenahme eines nasses Tuches dämpfen.

4b:

Strickergebnis:

Foto nach dem Dämpfen, durch das Filzen quer 10% hoch 15% Schwund

5 Filzen:

(meist) bei 40° Kurzwäsche auf Pflegestufe, erhöhter Wasserstand, mit zusätzlich z.B. einer Jeans oder Gummibällen in der Trommel, 1200 Umdrehungen. Von Wollart zu Wollart variiert die Temperatur. Bei Haarwolle mit 30° anfangen - es kann Waschgang für Waschgang bis zum Kochen des Gestrickes gehen. Man hört dann auf, wenn einem die Optik, der Griff, die Struktur, die Größe gefällt.

6 In Form bringen:

Diese Tasche habe ich mit der Vorratsdose eines uns allen wohlbekannten Herstellers in Form gebracht. Es eignen sich allerlei Dosen und Kartons zum Formen zu verschiedensten Taschen. Flächen lege ich zwischen Handtücher, presse sie mit einer Sperrholzplatte und Lexika (bei mir natürlich DAS Musikerlexikon MGG) als Gewicht.

7 Papiermuster erstellen:

Jede Tasche bekommt ihr individuelles Papiermuster. Erst nach dem Filzen steht die Endgröße und Form der Tasche fest.

Hilfreich sind Dosen, bzw Dosendeckel, Zirkel und sonstiges Zeichengerät.

8 Zuschneiden des Stoffes und des Vlieses:

Meine Futterstoffe sind 100% Baumwolle in einer recht großen Farbpalette. Für Taschenbeutel und den Futterboden schneide ich noch Vlieseinlagen zu.

9 Reißverschlüsse anfertigen:

Endlosreißverschluss ist für mich praktisch, da meine benötigten Längen nicht immer den üblichen Maßen der käuflichen Fertigreißverschlüsse entspräche. Erst fädelt man den Zipper ein, die Metallenden hämmere ich erst nach dem Einnähen des Reißverschlusses ein.

10 Zuschneiden des Leders:

Aus Rindboxlederhäuten schneide ich die großen stabilen Flächen zu. Schneideunterlage, Rollmesser, Parallellineal, Silberminenstift und Spezialcutter sind unerlässliche Helfer. Bei einigen Verschlusslösungen verwende ich Riesterleder, das ist dünner und dadurch leichter. Durch Bügeleinlage kann ich auch dieses Riesterleder versteifen.

11 Lochen des Leders:

Mit einer 100 Jahre alten Adler Schuhrepariermaschine loche ich die Ränder des Leders.

12 Stanzen des Leders:

Für die Reißverschlüsse stanze ich Löcher an die Enden des benötigten Schlitzes.

13 Einschneiden mit Spezialcutter:

Vorsichtig schneide ich den Schlitz frei.

14 Kleben:

Textilkleber verbindet Leder und Reißverschlussband, nach 10minütiger Wartezeit kann man die Teile zusammenfügen und pressen. Noch etwas warten, dass die Maschinennadel beim Nähen nicht verklebt.

15 Einnähen der Reißverschlüsse ins Leder:

Mit meiner alten Adler-Schuhrepariermaschine nähe ich langsam Stich für Stich mit Fußhebel und Handkurbel. Die Fadenspannung möchte nicht immer, wie ich es möchte..., jede Probenaht wegen der Spannung kostet erneut Unterfaden...Wenn der Reißverschluss gut eingenäht ist, bin ich SEHR erleichtert. Ab da, kann nicht mehr viel schief gehen - und wenn, dann ist das eher reversibel als ein schlecht genähtes Leder, das kann ich eventuell nur noch wegwerfen.

16 Füße einarbeiten:

Schon auf dem Papiermuster habe ich den Platz der Füßchen markiert. Das Leder wird gestanzt, die Füßchen durchgesteckt und fixiert. Klingt nach einem einfachen Schritt - hier würde ich mir lange Fingernägel wünschen, als Musikerin die keine langen Nägel haben kann, muss ich Schraubendreher als Hilfsmittel nutzen um das Metall zu öffnen und zu biegen.

17 Vliese und Einlagen aufbügeln:

Auf das Baumwollfutter kommt das Vlies, auf die Wolle die Bügeleinlage. Pro Stelle braucht das Bügeleisen zur Fixierung acht Sekunden. Zeit zum Träumen und zum Lauschen schöner Musik oder eines guten Hörbuches.

18 Einlage festnähen:

Auf Strickfilz hält die aufgebügelte Einlage nicht gut, zusätzlich nähe ich sie ringsum an. Die Festigkeit des Gewebes macht für mich Gummihandschuhe nötig, dass ich mit der Nadel weiterkomme.

19 Label einnähen:

Das Einnähen des Labels läutet das Nähen des Futters ein. Dazu benötige ich weißen Faden in der Nähmaschine. Da ich nie weißes Futter nähe, beginne ich grundsätzlich hiermit. Danach tausche ich Ober- und Unterfaden und nähe in diesem Fall mit Lila weiter.

20 Reißverschlusstasche:

Bevor das Futter zusammengesetzt werden kann, müssen alle gewünschten Innenfächer angelegt sein. Hier nähe ich ein schlichtes seitliches Reißverschlussfach mit Zierband am oberen Reißverschlussband ein. Das Zierband ist ein typisches nordisches Bändchen, welches außer in der Mode auch an geschnitzem Holzgeschirr, an Strohgebinden und als Haarband überall in Skandinavien zu finden ist. Jedes zusätzliche Innenfach, Schlüsselband, ist wieder ein eigener Arbeitsgang, mehr oder minder aufwendig.

21 Zusammensetzen des Futters:

Hat man alle Teile des Futterbeutels vorbereitet, ist es wie bei einem Bausatz der Möbelindustrie. Jedes Teil muss nun an seinen Platz, möglichst ordentlich verarbeitet. Je nach Kreation gibt es zu diesem Zeitpunkt die Verbindung Leder-Futter, diese nähe ich mit Ledernadel und Teflonfuß auf der Haushaltsnähmaschine. Bei dieser Tasche ist das nicht notwendig bzw. nicht möglich.

22 Annähen der Gurtbefestigung:

Die Verbindung Strickfilz und Leder mache ich per Hand mit reißfestem Faden. Das führt bei meinem Werkzeug zum schönsten und ordentlichsten Ergebnis. Ab hier ziehe ich meine Handschuhe nicht so schnell wieder aus, aber das verhindert böse Blasen und Hautreizungen.

23 Einnähen des Futters:

Am oberen Rand der Tasche wird das Futter in winzigen Stichen mit reißfestem Faden eingenäht. Am unteren Rand wird der Futterbeutel festgeheftet.

24 Einnähen des Bodens und des Oberteiles:

Mit Hilfe von Klammern kann ich das Leder etwas am Strickfilz fixieren. Stich für Stich, ein Faden nach dem anderen, (das alte Motto: "Kurzes Fädchen, fleißiges Mädchen" gilt für Lederarbeiten nicht) bei der einen Tasche 250, bei der anderen Tasche über tausend Handstiche. Bei dieser Tasche sind es ca. 330 Leder/Strickfilzstiche, ohne die Nähte von Schritt 18 und 23

25 Fertig stellen und geniessen:

Handschuhe ausziehen, Gurte einhängen, Funktion der Reißverschlüsse oder Schließen und den Rauminhalt prüfen (hier vier Fläschchen à 0,5l Wasser). Nun ist der Momente das fertige Stück anzuschauen und mich zu freuen, das ist wichtig- denn leider denke ich eigentlich erst mal an alle Sachen, die ich hätte event. schöner machen können.

26 Fotografieren:

Das Fotozelt wird nun aufgebaut und ausgeleuchtet (bzw. im Sommer draußen aufgebaut ohne Beleuchtung) und die Tasche wird von Außen und Innen dokumentiert, die Fotos bearbeite ich gleich weiter am Computer.

27 Tasche präsentieren:

Wenn an einem Wochenende gutes Wetter und freie Termine zusammentreffen, wird die Tasche mit Model in der freien Natur fotografiert (wer modeln möchte, darf sich jederzeit bei mir melden). Studioinnenaufnahmen gibt es mit meiner Ausrüstung und bei meinem Platz leider nicht.

Zur Tasche finde ich spätestens an dieser Stelle einen Namen, dann schreibe ich eine Produktgeschichte. Diese stelle ich mit den Fotos ins Internet. Zuletzt finde ich nach der schwierigen Preisfindung im Atelier ein schönes Plätzchen für das neue Schätzchen.